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Wirtschaftsverband Emsland verstärkt seine Akquise

Fachkräftemangel schwächt Wachstum



Der geschäftsführende Vorstand des Wirtschaftsverbandes Emsland schaut mit gemischten Gefühlen auf das Wirtschaftsjahr 2019.

Fachkräfte! Fachkräfte! Fachkräfte!
Der Schwerpunkt des Wirtschaftsverbandes Emsland für dieses Jahr ist eindeutig. Auf einer Pressekonferenz des geschäftsführendes Vorstandes
in Meppen sagte am Freitag Vorsitzender Ulrich Boll: "Der Fachkräftemangel bremst inzwischen das Wachstum im Landkreis."

Alfons Veer ergänzte: "Man kriegt fast keine qualifizierten Leute mehr."
Und auch für den Emsbürener Unternehmer Franz-Josef Paus wird dieses Problem immer mehr "zur natürlichen Bremse". Es schwäche immer mehr
das Wachstum. Eine Besserung aus eigener Kraft sei kaum in Sicht. Abhilfe vor Ort ist kaum in Sicht. So beträgt die Arbeitslosigkeit im Bereich der Agentur für Arbeit (Emsland und Grafschaft Bentheim) 2,6 Prozent.
Volkswirte sprechen hier gerne von Vollbeschäftigung. 

Trotz dieser Unkenrufe sei die Marktsituation der emsländischen Betriebe gerade im vergangenen Jahr aber "sehr gut" gewesen. "Wir hatten noch
nie zuvor so viele Aufträge", sagte Boll. Er sieht aber am Horizont "dunkle Wolken" aufkommen und erinnerte daran, dass es im Landkreis viele Zulieferer für die schwächelnden Windkraft- und Autoindustrien gebe.

Zugleich ist der Wirtschaftsverband mit diversen Aktionen unterwegs, um weitere Fachkräfte für das Emsland zu rekrutieren. Hierzu gehört eine
gezielte Werbekampagne im Ruhrgebiet. In der Konsequenz berichtete erst kürzlich sogar ein Fernsehteam vom WDR über das Anwerben der Emsländer von Fachkräften zum Beispiel in Essen. Sowohl in seiner Firma als auch in vielen anderen emsländischen Unternehmen seien bereits viele ehemalige Nordrhein-Westfalen beschäftigt. Maria Borgmann (Hölscher Wasserbau) berichtete von einer Mitarbeitern, die als passionierte Pferdehaltern die Vorzüge des Emslandes besonders zu schätzen weiß. Wirtschaftsverband-Geschäftsführer Norbert Verst erhielt ebenfalls in Folge der Film- und Plakataktion erste gezielte Anfrage aus Essen. 

Auf die Frage, ob sich die Löhne gravierend unterschieden, antwortete
gleich mehrere Vorstandsmitglieder, dass sie "jetzt schon im Emsland vielerorts über Tarif liegen". Dieter Barlage forderte zudem mehr kleinere Wohnungen für auswärtige Fachkräfte. Hierauf müsse der Wohnungsmarkt flexibler reagieren. 

Gleichwohl geht der Verband bei der Akquise ungewöhnliche Wege. So besuchte eine Delegation im vergangenen Sommer Paraguay. Wie Projektleiterin Mechtild Weßling sagte, "kommen im Sommer die ersten
sechs Jugendlichen ins Emsland". Sie werden Ausbildungen in den Bereichen "Pflege" und "Technik" starten. Weitere könnten nach der Testphase folgen. Dabei sind die Jugendlichen durchaus der deutschen Sprache mächtig. So gibt es in Paraguay viele deutsche Kolonien.

Zu den vielschichtigen Aktionen rund um die Fachkräfte von morgen gehören die Schülerakademie sowie diverse Lernpartnerschaften zwischen Schulen und Firmen. Weiter vergibt der Wirtschaftsverband über seine 413 Mitgliedsunternehmen allein in diesem Studienjahr 46 Stipendien. Dabei erhält jeder Student monatlich 100 Euro von einem Betrieb. Für Andreas Mainka ist der Wirtschaftsverband ein wichtiges Bindeglied zwischen Hochschule und gerade kleineren Betrieben. Speziell das duale Studium werde immer wichtiger.   

Seit 2016 unterhält der Wirtschaftsverband die Beratungsstelle zur Integration von Flüchtlingen und Migranten in den Betrieb, kurz "BUNTER. Dabei kristallisiere sich immer mehr heraus, dass eine berufliche Integration zum einem von den Sprachkenntnissen aber auch von den Kollegen abhänge. "Am erfolgreichsten ist es, wenn sich ein Mitarbeiter gezielt um den neuen Kollegen kümmert", so Verst.

Hohe Priorität auf der Agenda des Wirtschaftsverbandes besitzen weiterhin die Infrastrukturvorhaben in der Region. Die Palette reicht vom vierspurigen Ausbau der Europastraße 233 über die Schleusen und Häfen des Dortmund-Ems-Kanals bis hin zum Breitbandausbau. Boll warnte vor möglichen Plänen der Deutschen Bahn, den bisherigen Knotenpunkt Rheine zu schwächen. Dieser sei als West-Ostverbindung von Amsterdam nach Berlin für das Emsland imminent wichtig. Leider seien hier auf deutscher Seite oftmals überalterte  Züge und Waggons im Einsatz. 


Quelle:
NOZ, 26.01.2019
Text und Foto: Hermann-Josef Mammes