Unser Verband steht für...

„...eine Vereinigung zum Wohle des Emslandes“

Jürgen Hölscher, Vorstandsmitglied der Volksbank Lingen eG

News

Wirtschaftsverband Emsland sehr besorgt

Fachkräftemangel hemmt Wachstum



Die Vorsitzende des Wirtschaftsverbandes Emsland, Maria Borgmann

Der regionale Mangel an hoch qualifizierten Fachkräften stellt ein Wachstumshemmnis dar. „Wo gut ausgebildete Spezialisten und Nachwuchsführungskräfte fehlen, ist die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit gefährdet“, sagte Maria Borgmann, Vorsitzende des Wirtschaftsverbandes Emsland im Gespräch mit unserer Redaktion.

Auf seiner Mitgliederversammlung im Mai zählte der Wirtschaftsverband Emsland 395 Mitglieder. Ist die magische Marke von 400 Mitgliedern inzwischen geknackt?

Wir sind nach wie vor auf Wachstumskurs und tun viel dafür, dass es so bleibt. Die Marke von 400 Mitgliedern ist nicht magisch, sondern vielmehr real erklärtes Ziel, das wir erreichen werden. Dabei stehen arbeiten bei unseren Betreiben 47.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte - Tendenz in den vergangen Monaten klar steigend.

Die Beseitigung des Fachkräftemangels haben Sie persönlich als größte Herausforderung der Zukunft deklariert. Wie dramatisch ist die Lage und in welchen Wirtschaftszweigen ist die Situation besonders prekär?

Der Bedarf der regionalen Wirtschaft ist in vielen Berufsbildern größer als das regionale Angebot. Immer mehr Ausbildungsberufe aber auch Arbeitsplätze - vornehmlich im gewerblich-technischen Bereich - lassen sich nicht mehr besetzen. Zu den wichtigsten Wachstumstreibern zählen laut Industrie- und Handelskammer Osnabrück – Emsland – Grafschaft Bentheim im industriellen Bereich die Mineralölverarbeitung, der Maschinenbau, die Herstellung von Kunststoffwaren, die Baustoffindustrie und das Ernährungsgewerbe. Der regionale Mangel an hoch qualifizierten Fachkräften stellt ein Wachstumshemmnis dar. Wo gut ausgebildete Spezialisten und Nachwuchsführungskräfte fehlen, ist die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit gefährdet.

Was ist mit dem Ausbildungsmarkt?

Hier ist die Situation besonders prekär. 1.793 Ausbildungsstellen konnten in den Landkreisen Emsland und Grafschaft Bentheim bis zum Juli nicht besetzt werden. Im Vorjahreszeitraum waren dies noch 108 Stellen weniger. Der Wachstumskurs der regionalen Wirtschaft lässt sich nur fortsetzen, wenn es uns gelingt, regional und aber auch überregional vorhandene Personalressourcen zu erschließen.

Apropos. Wirtschaftsverband und Landkreis Emsland haben vor kurzem gemeinsam die Standortoffensive „Zuhause bei der Machern“ ausgerufen. Welche Zielgruppe visieren Sie an?

Die Kampagne hat zum Ziel, überregionale Fach- und Führungskräfte durch vielfältige Maßnahmen auf regionale Arbeitgeber aufmerksam zu machen. Wir sprechen den Facharbeiter an, der im Ruhrgebiet vielleicht keinen Job findet und sich vorstellen kann, hier bei uns zu leben und zu arbeiten. Aber auch die regional vorhandenen Fachkräfte sollen noch einmal auf die Vorzüge, die unsere Wirtschaft und die das Emsland als Lebensraum bieten, aufmerksam gemacht werden. So können wir Abwanderungen vermeiden.

Konkret - wie sieht die Unterstützung des Wirtschaftsverbandes bei dieser Werbekampagne aus?

Wir unterstützen sie zum einen monetär aber auch ganz praktisch durch die Bitte an unsere Mitgliedsunternehmen, sich mit Aktivitäten und Ideen an der Initiative zu beteiligen. Wie die Unterstützung konkret ausfällt, hängt von den Maßnahmen ab, die in Kürze seitens des Landkreises Emsland verabschiedet werden. Wir sind auf jeden Fall dabei und machen mit!

Der SV Meppen ist mit dem Aufstieg in die Dritte Liga wieder als bundesweiter Werbeträger für das Emsland in den Medien enorm präsent. Müssten die Wirtschaftsunternehmen nicht alles daran setzen, dass das Team die Liga hält, um weiter als Leuchtturm zu dienen?

Der SV Meppen wird bereits durch vielfältige Aktivitäten der Wirtschaft unterstützt. Nehmen wir die Werbebanner am Spielfeld, die von Unternehmen finanziert werden oder auch die Spendengelder für die Ausstattung der Spieler oder den Erhalt des Spielfeldes. Wir alle tun viel für den regionalen Sport, denn er macht das Emsland als Lebensraum attraktiv. Sport stiftet Identifikation – und wenn sich ein Unternehmen für einen so erfolgreichen Sportverein einsetzt, erhöht dies nicht selten auch die Arbeitsmotivation der Beschäftigten. Auch wird der Betrieb interessant für potenzielle Beschäftigte, denn er wird durch den Sport wahrgenommen.

Was unternimmt der Wirtschaftsverband selbst?

Wir unterstützen seit sechs Jahren finanziell das Jugendleistungszentrum Emsland und haben gerade erst beschlossen, die Unterstützung bis 2020 fortzusetzen.

Mit der Beratungsstelle „BUNTER“ will der Wirtschaftsverband gezielt Flüchtlingen den Weg in die Betriebe ebnen. Gibt es bereits konkrete Erfolge?

Ja – wir haben viele Beratungsgespräche mit regionalen Unternehmen geführt, die einen Flüchtling in ihrem Betrieb beschäftigen möchten. Leider dürfen wir keine Vermittlung der Migranten vornehmen, so dass wir in unserer Arbeit bei den Unternehmen und deren Beschäftigten ansetzen und diesen Tipps für eine erfolgreiche Integration mit auf dem Weg geben. Vor Kurzem fand der zweite emsländische Erfahrungsaustausch zur Integration von Migranten statt. Hier hat die Lingener Firma Heilen, die wir von Anfang an begleitet und beraten haben, den Integrationsprozess eines aus Syrien stammenden Mitarbeiters vorgestellt.

Immer weniger Schulabsolventen finden nach der schulischen Laufbahn den direkten Weg in die duale Ausbildung. Welche Maßnahmen unternimmt der Wirtschaftsverband, um Jugendliche für diese berufliche Laufbahn zu begeistern?

Viele unserer Projekte haben zum Ziel, die Schüler des Emslandes auf regionale Unternehmen und deren Ausbildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten aufmerksam zu machen. Seien es unser Projekt „Mädchen in Technik“, die Lernpartnerschaften zwischen Schulen und Unternehmen oder die jährlich im Ludwig-Windthorst-Haus stattfindende Schülerakademie. Wir möchten den Jugendlichen nahebringen, dass eine betriebliche Ausbildung eine solide Grundlage für die eigene Karriere ist. Wir ermöglichen Nachwuchskräften einen Einblick in regionale Unternehmen und die Möglichkeit, sich mit verschiedenen Berufsbildern auseinanderzusetzen. Und dies funktioniert gut.


Quelle: NOZ, 26.08.2017
Text und Foto: Hermann-Josef Mammes